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09.01.2009
... und dann sahen wir ihn u...
Wirtschaft, Kreativität, Geld (56 Beiträge online)
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eZine von Petra Schleich

Wirtschaft, Kreativität, Geld - ... und dann sahen wir ihn untergehen

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(Augenzeuge als Toyota GM überholte)

Ja es ist noch gar nicht solange her, da träumten wir alle von Detroits Big Three und der Milliarden-Dollar-schweren Autoindustrie. Die Helden unserer Jugend waren die Manager von Ford, Chrysler und GM. Taylorismus war unser Lieblingsthema. Kosten runter, Kosten runter, Kosten runter war der Rhythmus bei dem wir mitmussten.

Doch dann kamen die Japaner und begannen den globalen Automobilmarkt zu erobern und damit die Welt unserer Kindertage zu zerstören. Status quo: GM muss nun US-Fabriken schließen, Arbeitskräfte abbauen und das Design der Autos verbessern. Toyota ist bis heute nicht von seiner Philosophie des “continuous improvement” abgewichen und errichtet fleißig auf der ganzen Welt neue Produktionsstätten.

Einst kämpften wir für das gleiche Ziel

Es ist noch gar nicht solange her, da konkurrierten General Motors und Toyota bei der Konstruktion von Hybridautos. Beide Unternehmen gelang ca. vor zehn Jahren der Durchbruch bei der Hybridtechnologie. General Motors baute sogar einen funktionierenden Prototypen. Die neue Technologie war jedoch so kostenintensiv, dass die Markteinführung nur unter Verlusten möglich gewesen wäre. General Motors und Toyota gingen daher unterschiedliche Wege zur Realisierung von Umsätzen.

Das Unglaubliche ist geschehen. Fünf Jahrzehnte nach Pearl Harbor greifen die Japaner noch einmal die Vereinigten Staaten an – und werden den heimischen Automobilmarkt erobern

Für General Motors machte es keinen Sinn, Hybride unter Verlusten zu verkaufen. Toyota sah es als vernünftige Investition in die Zukunft an, entwickelte den Prius und verkaufte diesen trotz der jahrelangen Verluste, um damit heute in den USA kleine Gewinne einzufahren. Darüber hinaus verhalf der Prius Toyota zu einem umweltfreundlichen Image, während General Motors sich den Vorwurf gefallen lassen muss, dass sein SUV Hummer den Planten in ein Treibhaus verwandelt. Angesichts des weltweit skandalisierten Klimawandels kein Image mit dem noch Autos verkaufen kann. Nicht nur technologisch sondern auch ökonomisch setzte man bei Toyota und GM auf unterscheidliche Strategien. Toyota baut seine Produktionsstätten in den USA aus – GM reduziert seine eigenen und muss hart daran arbeiten, dass Design und Treibstoffverbrauch der Autos den zeitgemäßen Anforderungen entsprechen. Toyotas Produktion wächst und wächst und wächst. GM higegen scheint zu hoffen, dass durch den Kauf von Chrysler weiter expandieren zu können, wobei fraglich bleibt, wodurch Chrysler außer bei der Vergrößerung der eigenen Probleme behilflich sein sollte.

Die Schlacht um Nummer eins hat begonnen

900.000 Amerikaner arbeiten in der Automobilbranche, der größte Teil davon für die Big Three. Die amerikanische Autoindustrie macht fast 4% des amerikanischen BIP aus. Die Schlacht um die Nummer eins auf der Welt ist daher mehr als nur der Kampf zwischen zwei Autogiganten. Für Japan und Amerika ist es auch eine nationale Frage. Der Gewinner des Wettrennens wird wahrscheinlich die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts maßgeblich beeinflussen.

Toyota folgt in diesem Wettrennen seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts der gleichen Philosophie. Der “Toyota Way” setzte dabei immer auf Qualität. Die technologische Entwicklung stellte dabei eine Schlüsselkompetenz von Toyota dar. Das Toyota Production System sorgte dabei dafür, dass Qualität während der ganzen Wertschöpfungskette sichergestellt werden kann. Modelle von Toyota behalten ca. 52% ihres Wertes, GM Modelle hingegen nur 43% laut Automotive Lease Guide and Newsweek. Die Bigger-is-better-Strategie durch mehr PS und mehr Gewicht der Modelle von GM hat dabei nicht zur erwünschten Selektion in der Branche geführt. Der Verkaufswert der Modelle wurde durch eine massive Überproduktion und Schleuderpreise gedrückt. Gleichzeitig hat sich GM zu großzügigen Leistungen an seine Arbeiter verpflichtet. Dies wird den amerikanischen Autohersteller $73 Mrd. in den nächsten zehn Jahren kosten, gleich viel wie die Investitionen in Forschung und Entwicklung für den gleichen Zeitraum.

Toyota hat $36 Mrd. Cash zur Verfügung und einen Börsenwert von mehr als $200 Mrd. Das ist 12mal mehr als GM. Toyota investiert dabei das meiste wieder in die Produktion. 83% der Produktlinie von Toyota soll am Ende dieses Jahrzehnts erneuert bzw. ersetzt werden. Inzwischen versuchen die Detroit Boys ihre vergangenen fehler wieder auszumerzen. Leider lässt sich die Zeit nicht zurückdrehen und in der Wirtschaft heilt sie auch keine Wunden. GM bastelt daher wieder an seinem Hybriden Chevy Volt, obwohl die entsprechenden Batterein erst erfunden bzw. perfektioniert werden müssen. Tja, hätte man vor zehn Jahren nicht die Entwicklung des Hybridprototypen EV1 aus Kostengründen bei GM eingestellt, dann wäre der Chevy Volt keine Herausforderung mehr. Nun werden die Umfeldentwicklungen GM dennoch dazu zwingen, die erforderlichen Investitionen zu leisten. Dieses Mal ist der Preis jedoch höher: Toyota wird 2007 GM überholen und damit die Vormachtstellung der Amerikaner am Automarkt brechen.

...und dann sahen wir ihn untergehen

...den managerialism der alten Tage mit Fokus auf Kosten, Buy-outs, M&As, Kontrolle, Quantitäten angesichts von Konzepten wie Lernen, organischem Wachstum, Forschung und Entwiclung und einer Philosophie der Qualität.


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