
Bilden Sie sich Ihre Meinung zu Wirtschaft, Kreativität, Kreativwirtschaft, Geld, Industrie, Banken, Gewerbe...
eZine von Petra Schleich
Wirtschaft, Kreativität, Geld - Hau den King oder die moralische Intervention am Finanzmarkt
Bildquelle: startblatt - Gebotstafel mit Einschränkung
Das nenne ich eine liberale Kopfnuss, die der englische Zentralbankgouverneur Mervyn King für seine Haltung in der Finanzmarktkrise erhalten hat. Die Kopfnuss musste er dafür einstecken, dass er Interventionen auf dem Finanzmarkt zur Glättung der Krise grundsätzlich ablehnte und zwar mit der Begründung des “moral hazard” der Banken.
Mervyn King traute sich auszusprechen, was andere Zentralbanken in ihrer Panik vor der Apokalypse, dem jüngsten Gericht und vor allem vor der Frage nach der Verantwortung verschweigen wollten, nämlich:
Banken würden für eine riskante Strategien durch eine künstliche Verbilligung von Refinanzierungskonditionen “belohnt” werden und damit die falschen Lehren aus der laufenden Finanzmarktkrise ziehen.
Nun es ist natürlich nicht zu übersehen, dass Herr King von seinem Chesterfield-Stuhl heraus seine Pappnasen am Finanzmarkt gehörig eine Lektion in Sachen risikogerechtes Verhalten erteilen wollte. Und wie ein echter Vater seine Kinder dadurch erzieht, dass er sie lehrt, dass sie die Verantwortung ihrer Handlungen selbst übernehmen müssen, wollte auch Herr King ein rechter Vater sein. Gedankt wurde es ihm nicht. An den Pranger wurde er gerade von jenen gestellt, die es selbst mit der Moral nicht so genau nehmen.
Ups, da ist es schon wieder, dieses scheußliche Wort “Moral”, von dem niemand eigentlich so genau weiß, was es ist.
Im Fall Mervyn King ist es wohl das Recht des Stärkeren gewesen. Schließlich wurde der Druck, die moralische Stigmatisierung als das Geldmarkt-Böse solange erhöht, bis Herr King schließlich einlenkte. Nicht jedoch ohne zum Gegenschlag auszuholen: die Bank of England hatte ihre Geldmarktauktion zu teuren Konditionen angesetzt und die Gelder für 1 Prozentpunkt über dem gegenwärtigen Leitzins bei 5,75% angeboten.
Die Gegenseite wurde durch das zähe Verhalten der Bank of England jedoch so sehr verunsichert, dass viele Institute, die zuerst auf Interventionen gedrängt haben, sich nun nicht mehr offen zugeben trauten, dass sie welche nötig hätten. Schließlich hätte das ja die eigenen AnlegerInnen verscheucht und frau hätte sich in letzter Instanz selbst geschadet.
Logik ist wie immer die beste Anleitung zum Handeln, möchte frau meinen. Leider nicht in der Realität. Denn die britische Regierung will die britische Hypothekenbank Northern Rock, eigentlicher Zankapfel der britischen Diskussionen um Interventionen am Geldmarkt, um jeden Preis stabilisieren. Dafür muss die Bank of Engalnd die eingebrachte Liquiditätslinie für Northern Rock erweitern, während die Regierung eine Garantie auf alle Einlagen der Bank übernehmen wird – zumindest bis InvestorInnen, AktionärInnen etc. den Kadaver von Northern Rock wieder als Leckerbissen sehen.
Dafür ist auch notwendig, die Schuld an der Krise der Bank jemanden anderen als der Bank selbst in die Schuhe zu schieben. Und wer könnte als Sündenbock geeigneter erscheinen als eine Behörde, die angesichts verschiedener nicht vorhersehbarer Umstände nicht mehr hätte tun können, als sie ohnehin getan hatte und ihrerseits wiederum darauf verweist, dass nur eine internationale Konzertierung der Überwachung vieles hätte verhindern können.
Wo wir wieder einmal bei der Paradoxie der Kontrolle angekommen wären.
am 11.10.2007 10:36






